HfH Kompakt

Kleinklassen sind keine Sackgassen mehr

Die Primarschule Wädenswil führt immer noch Kleinklassen. Doch deren Ausrichtung hat sich in den letzten Jahren verändert.

Wädenswil führte traditionell vergleichsweise viele Kleinklassen. Vor zehn Jahren wurde das Angebot im Rahmen der integrativen Förderung drastisch reduziert. Doch nicht auf null – nach wie vor gibt es in der Primarschule zwei Kleinklassen. Grund für einen Besuch vor Ort und ein Gespräch mit vier Protagonisten: Patrick Weil ist Leiter Pädagogik und Schulentwicklung der Primarschule Wädenswil. Felix Müller war jahrelang Schulleiter und hat die Schule Wädenswil in den letzten dreissig Jahren geprägt wie kaum ein zweiter. Erika Diethelm und Daniel Meier sind die Lehrpersonen in den beiden Kleinklassen. Wir fragen sie: Wann ist die Förderung in einer Kleinklasse sinnvoll?


Der Einblick in die Kleinklassen zeigt:

Heutiges Ziel ist die Re-Integration.
Während die Kleinklasse früher häufig eine Sackgasse war, aus der die Schülerinnen und Schüler nicht mehr herauskamen, wird heute klar das Ziel der Re-Integration in die Regelklasse ausgerufen.


Mindestens zwei Jahre. 
Dieses Ziel wird aber nicht in zwei Wochen oder zwei Monaten erreicht, sondern es braucht häufig mindestens zwei Jahre. Im Vergleich zu einer temporären Separation wie einer Schulinsel oder einem Time-Out ist dies deutlich länger.

Beziehung braucht Zeit. Es braucht Zeit und Verlässlichkeit, um eine tragfähige Beziehung aufzubauen, um Vertrauen herzustellen, um die Bindung zu stärken. Je mehr Sicherheit und Vertrauen ein Kind hat, desto weniger wahrscheinlich sind Verhaltensprobleme. Deshalb hat eine erfolgreiche Förderung in der Kleinklasse langfristige Effekte: Sie legt das Fundament für einen erfolgreichen Übertritt in den Beruf, für die Eingliederung in einen Verein, für das Pflegen von Bekanntschaften, für das Schliessen von Freundschaften und das Akzeptieren öffentlicher Regeln, sprich: für eine Teilhabe an der Gesellschaft.