HfH Kompakt

Berufseinstieg: Einige Jugendliche brauchen spezifische Begleitung

Der Übertritt ins Berufsleben stellt für Jugendliche mit Beeinträchtigungen eine hohe Hürde dar.
Studien zeigen: Jeder fünfte Jugendliche auf der Sekundarstufe weist Probleme im kognitiven, emotionalen oder sozialen Bereich auf. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass diese Schülerinnen und Schüler auch kurze Texte kaum lesen und verstehen können. Daraus entstehen Misserfolgserlebnisse und Schulfrust. Und das in einer Lebensphase, wo wichtige Weichen für den Berufseinstieg gestellt werden. Das kann fatale Auswirkungen haben. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sind davon besonders betroffen. Sie haben deutlich mehr Schwierigkeiten beim Einstieg ins Berufsleben und brechen die Lehre häufiger ab. «Zentral ist, dass die Jugendlichen zu einem möglichst realistischen Bild über sich selber kommen», meint Claudia Schellenberg, Dozentin an der HfH. Seit mehreren Jahren beleuchtet sie das Thema «Übergang Schule – Beruf» von der wissenschaftlichen Seite.

Im Video-Interview erklärt Claudia Schellenberg, wieso Jugendliche mit Migrationshintergrund länger haben, um eine Lehrstelle zu finden und häufiger in einem Brückenangebot landen als Schweizer Jugendliche.


Damit Jugendliche mit Migrationshintergrund erfolgreich ins Arbeitsleben integriert werden können, brauchen sie oft eine massgeschneiderte Begleitung und Unterstützung. Besonders anspruchsvoll ist dieser Weg, wenn die Jugendlichen erst während der Pubertät in die Schweiz ziehen. Für diese Zielgruppe genügen die normalen Angebote zur Berufsintegration nicht. Deshalb hat die Sekundarschule Stadel das Pilotprojekt «ISA – Integration, Sprache, Arbeitswelt» ins Leben gerufen. Zehn von sechzig Schülerinnen und Schüler arbeiten zwischen der ersten und zweiten Sekundarklasse eine Woche lang in einem ausgewählten Betrieb – freiwillig und während der Sommerferien. Dabei geht es nicht nur um sprachliche Kompetenzen.

Im Video-Interview erzählen Claudia Rusert, Berufsintegrations-Coach, und Roger Hiltebrand, Schulleiter, wie sie mit dem Projekt «ISA» die berufliche Integration von Jugendlichen stützen.



Für viele dieser Teenager ist diese Arbeitswoche während der Sommerferien eine willkommene Abwechslung – und die erste Erfahrung in der Berufswelt. Sie erweitern nicht nur ihren Wortschatz, sondern lernen durchzubeissen und nachzufragen. «Insegesamt haben wir tolle Rückmeldungen – von den Jugendlichen selber, wie auch von den Betrieben», berichtet Claudia Rusert, Leiterin des Projekts «ISA» und Berufsintegrations-Coach an der Sekundarschule Stadel. «Das Mühsamste sind jeweils diese «No-Shows» von Jugendlichen», das heisst, wenn sie am ersten Arbeitstag gar nicht erst auftauchen im Betrieb, obwohl man alles minuziös vorbereitet und kommuniziert hat», so Rusert. Das komme aber zum Glück selten vor. Rusert hat über die Jahre ein breites Netz an Kontakten in die Berufswelt aufgebaut. Engagiert und professionell bewegt sie sich zwischen den beiden Welten «Schule» und «Arbeit».

Im Video erzählen die Jugendlichen – und auch ihre temporären Arbeitgeber – über ihre Erfahrungen.



Die Sekundarschule Stadel setzt viele Ressourcen ein für die Vorbereitung der beruflichen Integration ihrer Schülerinnen und Schüler. «Natürlich kostet so eine massgeschneiderte Begleitung etwas», meint Roger Hiltebrand, Schulleiter an der Oberstufenschule Stadel, «aber für eine weitsichtige Behörde zahlen sich diese Investitionen aus», ist Hiltebrand überzeugt. Denn durch dieses zusätzliche Angebot hätten sie beispielsweise deutlich weniger Jugendliche in einem zehnten Schuljahr – ein Angebot, das die Gemeinde zehn- bis zwölftausend Franken pro Schülerin oder Schüler kostet. Damit so ein Mentoring Früchte trägt, braucht es laut Hiltebrand eine speziell dafür zuständige Person und eine klare Verteilung der Aufgaben.

Im Video-Interview wird erklärt, worauf es bei diesem Mentoring ankommt, und wieso die Verantwortung in diesem anspruchsvollen Prozess letztlich bei der Klassenlehrperson liegen muss.