HfH Kompakt

«Integration: Wann ist genug?»

Schwierige Schüler und überforderte Eltern sind zunehmend eine Belastung für viele Schulen. Ein Team geht neue Wege, um die Tragfähigkeit der Schule zu stärken.

Der Schulleiter der Sekundarschule Stadel erzählt: «Robin fehlte immer öfters im Unterricht, seine Mutter meldete ihn krank. Durch sein Fehlen verpasste er den Anschluss in den Schulfächern. Ein gemeinsamer Termin mit den Eltern kam nicht zustande. Die Beziehung zu Robin drohte abzubrechen. Eines Morgens hatte ich die Polizei im Büro: Robin werde im Zusammenhang mit einem Einbruch gesucht…»


Im Video schildert der Schulleiter im Rahmen einer Fachtagung das herausfordernde Fallbeispiel «Robin».


Wird die Zusammenarbeit mit den Familien immer schwieriger? Oder ist es die Schule, die zu viel erwartet? Fälle wie Robin bringen Schulen an die Grenze ihrer Integrationsfähigkeit. «Wann ist genug?», fragt sich deshalb das Schulteam. Diese ernstgemeinte Frage bildet den Ausgangspunkt für einen Entwicklungsprozess, der über ein Jahr andauert. Ziel ist, innovative Wege zur Bewältigung solcher Herausforderungen zu finden, und damit die Schule insgesamt tragfähiger zu machen.


Die nachfolgende Grafik zeigt den ganzen Entwicklungsprozess, aufgeteilt in sieben Schritte.




Den Auftakt dieses Entwicklungsprozesses bildet eine grosse Kick-Off-Tagung, an welcher rund 150 Personen teilnehmen – Schulteams, Fachstellen und Behörden aus den umliegenden Gemeinden. Zentraler Fokus: Die Schule kann diese Aufgaben nicht allein bewältigen. Es braucht ein koordiniertes Zusammenspiel der potenziell involvierten Fachstellen aus den Bereichen Schule, Soziales, Medizin und Justiz. Dazu blicken fünf Experten aus verschiedenen Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und geben Inputs zu einer neuen «Positionierung im Sozialraum».


Das Video gibt einen kurzen Einblick in die Fachtagung mit den fünf Experten.


Im Anschluss an diese Fachtagung startet die Verarbeitung im Schulteam der Sekundarschule. Zuerst geht es darum, die relevanten Themen einzugrenzen und diese Brennpunkte zu priorisieren. Das Hauptthema ist die Belastung und Spannung, welche durch Fälle wie Robin in der Schule entstehen. Die wichtigste Frage lautet tatsächlich: «Integration – wann ist genug?» Der Hintergrund: Es gibt Schülerinnen und Schüler, die sind für das Team, so wie es aktuell aufgestellt ist, eigentlich nicht mehr tragbar. Gibt es Wege, diese Überbelastung zu kommunizieren und gemeinsam Wege zur Bewältigung zu finden?

Dazu wird einige Monate später eine zweitägige Klausur durchgeführt. Alle an der Schule tätigen Lehr- und Fachpersonen sowie auch die Schulbehörde nehmen daran teil. In dieser Klausur werden die Themen aus der Kick-Off-Verarbeitung zu konkreten Konzeptskizzen ausgearbeitet. Eines dieser Konzepte wird «Ampelkonzept» genannt. Darin geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler, die das System über das Normale hinaus belasten frühzeitig erfasst und mit «Ampeln» gelabelt werden. Ziel ist, dass die Schule präventiv handeln kann, bevor «die Stricke reissen». Bei einem zweiten Konzept geht es darum, bei ganz schwierigen Fällen den Fokus weg von der schulischen und hin zur bevorstehenden beruflichen Integration zu lenken. Dazu soll es künftig ein Angebot von präventiven Arbeitseinsätzen bei Betrieben der Umgebung geben.

Bereits zehn Monate nach Projektstart sind diese Konzepte ausgearbeitet und können in einer ersten Umsetzung erprobt werden. Künftig können so Schülerinnen und Schüler aus anspruchsvollen Familien früher erkannt und besser begleitet werden.


Im Video erzählt der Schulleiter, was seit der Kick-Off-Tagung alles passiert ist. Er zieht eine positive Bilanz.


Uns würde interessieren: Was halten Sie von der Ampelkarte? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar.

 
Kommentare